Christian Scholze / VDE Bayern
15.06.2026

Digitalisierung als Turbo für unser Gesundheitswesen

AKML-Sommerabend im Waldgasthof Buchenhain

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Netzwerk Medizintechnik & LifeScience Electronic

Leiter des Arbeitskreises, Prof. Dr. Bernhard Wolf

| Christian Scholze / VDE Bayern

Nicht effizient genug, zu wenig am Patienten orientiert, von zu vielen Interessensgruppen beeinflusst und allgemein zu träge: Kritik an unserem Gesundheitssystem, die oft zu hören ist. Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim AKML-Sommerabend des VDE-Netzwerks Medizintechnik & LifeScience Electronic am 9. Juni 2026 konnten sich schnell auf diese Punkte als größte Mängel einigen. "Wie bekommen wir unser Gesundheitswesen wieder flott?", diese Überschrift hatten die Organisatoren der Veranstaltung gegeben - eine Frage, die an einem Abend selbstverständlich nicht beantwortet oder gar gelöst werden kann. Doch dank guter und erfahrener Fachleute brachte die Diskussion im Waldgasthof Buchenhain interessante Informationen und Ideen mit.

Geld sei im System eigentlich genug vorhanden, es werde nur schlecht verteilt und oft auch falsch eingesetzt, postulierte Dr. Axel Fischer, der als Mediziner und langjähriger Geschäftsführer der städtischen Münchner Krankenhäuser (München Klinik) fundierte Einblicke mitbrachte. Jedoch seien erforderliche und sinnvolle Reformen kaum politisch durchsetzbar, weil es immer mindestens eine Bürgergruppe gebe, die sich massiv dagegen wehre, so Fischer. Setze etwa ein Lokalpolitiker die Schließung eines kleinen, aus ökonomischer und auch aus medizinischer Sicht nicht mehr tragbaren Krankenhauses durch, laufe eine Interessensgemeinschaft so lange dagegen Sturm, bis der Lokalpolitiker bei der nächsten Wahl abgestraft und abgewählt werde - das habe er inzwischen öfters erlebt. Kaum eine Politikerin, kaum ein Politiker setze sich freiwillig dieser Gefahr aus.

Christian Scholze / VDE Bayern

Dabei sei es anerkannter Fakt, dass es in Deutschland zu viele kleine Krankenhäuser gebe, die eine bestenfalls mittelmäßige Versorgung böten, berichtete Fischer. Am Beispiel Schlaganfall erklärte er, wie wichtig es ist, dass die Betroffenen sofort kompetent versorgt werden: Lieber ein zehn Minuten längerer Transport in die nächstgrößere Klinik mit Stroke Unit als in einer Notaufnahme behandelt zu werden, die schon für die Diagnose zu lange brauche. Ähnliches gelte für Herzinfarkte. Unter der Moderation von Journalistin und Sozialwissenschaftlerin Bianca Flachenecker diskutierte der wissenschaftliche Leiter des Arbeitskreises, Prof. Dr. Bernhard Wolf, mit dem Experten Dr. Fischer. Auch die knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Ärztinnen, Elektrotechniker, ein Patentanwalt und ein Biologe, brachten ihre Erfahrungen ein. Eine große Rolle würden in Zukunft digitale Systeme spielen, sie könnten entscheidend dazu beitragen, das Gesundheitswesen effizienter zu machen, zeigte sich Fischer überzeugt und schlug damit die Brücke zu den Themen des VDE. Vor allem Videosprechstunden, Telemedizin, Robotik im OP-Saal und ein schnellerer Ausbau der digitalen Übermittlung medizinischer Daten müssten dringend weiter forciert werden.

Am Ende des AKML-Sommerabends fanden sich die Anwesenden bei einer deftigen Brotzzeit zu Einzelgesprächen und zum Netzwerken zusammen. In der nächsten Veranstaltung des VDE-Netzwerks Medizintechnik & LifeSience Electronic geht es am 28. Juli 2026 um Digitale Techniken im Rettungsdienst. Beim HandsOn-Vortrag von Dipl.-Ing. (FH) Manuel Soria Parra (ASB München/Oberbayern) wird neben etlichen Exponaten auch ein Intensivkrankentransportwagen (ITW) besichtigt (Verfügbarkeit vorausgesetzt).